Gedankenperle
Thema: „Verantwortung beginnt dort, wo Gleichgültigkeit endet“
Kontext: LinkedIn
Der Ausgangsimpuls zu dieser Reflexion entstand in einem Beitrag
des Arztes, Psychoanalytikers und Neurowissenschaftlers
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Dipl. Psych. Georg Nikisch.
Er stellte dort mehrere Stimmen aus Geschichte und Literatur nebeneinander
und öffnete damit einen Denkraum über Verantwortung und Menschlichkeit.
Stimmen:
„Don’t be content in your life just to do no wrong.
Be prepared every day to do some good.“
— Nicholas Winton
„Perhaps someday someone will explain how — on the level of man —
Auschwitz was possible; but on the level of God it will forever remain the most disturbing of mysteries.“
— Elie Wiesel
„If we had the right words, if we had the language, we would need no weapons.“
— Ingeborg Bachmann
„What is abnormal is that I am normal.
That I survived the Holocaust and went on to love, to talk, to write — that is what is abnormal.“
— Elie Wiesel
Die zitierten Stimmen dienen der inhaltlichen Auseinandersetzung und bleiben Eigentum ihrer jeweiligen Urheber.
Auf diese Stimmen reagierte ich mit den folgenden Gedanken:
Es gibt Ereignisse, vor denen selbst die stärksten Worte zerbrechen.
Auschwitz gehört dazu.
Vor ihnen brechen unsere Begriffe, und jedes Warum bleibt zu klein.
Es bleibt eine Narbe im Gedächtnis der Menschheit.
Und doch zeigen diese Stimmen einen anderen Weg:
Nicht alles lässt sich verstehen —
aber alles verlangt nach einer Antwort.
Winton erinnert daran,
dass Anständigkeit nur der Anfang ist.
Das Eigentliche beginnt,
wenn wir uns bewegen lassen —
wenn wir hingehen,
finden,
mittragen,
helfen.
Güte ist hier kein Zustand,
sondern eine Tat, die Kraft kostet.
Wiesel zeigt,
dass selbst dort,
wo der Abgrund jede Bedeutung zerreißt,
die Frage nach unserer Verantwortung bleibt.
Und hinter allem steht eine zarte, unbequeme Wahrheit:
Dass wir weiterleben, lieben, sprechen dürfen, ist kein Normalzustand.
Es ist Auftrag.
Wir müssen das Dunkel nicht erklären können.
Aber wir können verhindern,
dass es durch unsere Gleichgültigkeit größer wird.
Wir sind berufen,
Antwort zu werden
– in Mitgefühl, in Mut,
in stillen, konkreten Taten.
Dort beginnt Würde.
Dort beginnt Hoffnung.
Darin liegt unser Anteil.
Darin beginnt Menschlichkeit.